Von Choquequirao nach Machu Picchu

​Am Abend des 3. August, erreichen wir nach einer sehr sportlichen Bus- und kurzer Taxifahrt Cachora, von wo wir unseren Trek zum Choquequirao am nächsten Tag beginnen werden. Cachora ist ein kleines Dorf in dem vorallem Bauern und Eseltreiber leben. Wir gehen in einem gemütlichen Restaurant essen. Eine Speisekarte gibt es nicht, stattdessen bitten wir die sehr sympathische Restaurantbesitzerin und Köchin etwas typisch peruanisches zu kochen. Daraufhin bekommen wir nach einer Weile ein echt tolles Menü serviert. 

Am nächsten Morgen beginnen wir mit der ersten Tagesetappe. Zunächst laufen wir zum Ende der Straße und dann die 1500m den Canyon hinunter. Die Wanderung ist schön, aber auch vor allem wegen der Hitze ziemlich anstrengend. Mittlerweile haben wir Santa Rosa Baja als Tagesziel festgesetzt. Dafür müssen wir bei Anbruch der Dunkelheit noch anstrengende 500 Höhenmeter überwinden. Am Ende des Tages haben wir elf Wanderstunden auf der Uhr. Dafür verspricht der nächste Tag bis Choquequirao entspannter zu werden. Zwar geht es noch 1000 Höhenmeter weiter hoch, dafür sind aber nur vier Stunden zu wandern. Wir erreichen also gegen Mittag den Campingplatz in der Nähe der Ruinen und genießen den freien Resttag zusammen mit einem französischen Pärchen, die mit einer teuren Tour unterwegs sind.
Für die Besichtigung der Ruinen steht uns der gesamte nächste Tag zur Verfügung. Die Ruinenanlage ist riesig, denn sie umfasst neben der Stadt selbst auch noch ein kleines angrenzendes Dorf, ein außerhalb gelegenes Priesterhaus sowie ausgedehnte Terassenanlagen. Es macht viel Spaß die Ruinen zu erkunden und über die Lebens- und Arbeitsweisen der Inka zu rätseln und philosophieren. Zudem ist es sehr angenehm, dass die Stätte im Gegensatz zu den zu erwartenden Menschenmassen am Machu Picchu beinahe menschenleer ist. Lediglich um die 20 Touristen haben die mehrtägige Wanderung hierher auf sich genommen. Zum Abschluss des Tages gibt es noch eine saukalte Wasserfalldusche.
Am dritten Tag der Wanderung geht es nicht, wie für die meisten, zurück nach Cachora, sondern wir setzen unser Wanderung direkt zum Machu Picchu fort. Es geht weiter Richtung Yanama. Dazu müssen wir zunächst zum Pass direkt über Choquequirao auf circa 3200m, dann wieder runter auf 2000m zum Rio Blanco, um am Ende des Tages  wieder auf 3000m nach Maizal aufzusteigen. Insgesamt wieder 8 Stunden wandern. Am Morgen regnet es glücklicherweise ein wenig. So bleiben zum einen die Temperaturen niedrig, zum anderen erlischt so der Waldbrand vom Vortag auf der gegenüberliegenden Hangseite. Auf dem Weg liegen ungefähr auf halber Strecke noch einmal Inka-Terassen, wo wir eine ausgedehnte Mittagspause machen. Dort treffen wir das italienisch-australische Pärchen wieder, dass ein wenig zeitlich versetzt einen ähnlichen, jedoch geführten Trek durchführt. Kylie Flavell ist sehr begeistert von unserer Do-It-Yourself-Variante des Choquequirao-Treks. So kommt es also dazu, dass wir mit ihr ein Interview führen, dass vielleicht mal auf ihrem YouTube-Kanal veröffentlicht werden wird. Den Zeltplatz für diese Nacht erreichen wir zwei Stunden nach Sonnenuntergang. Es ist eine einsame Kuhweide eine Viertelstunde vor Maizal.
Am nächsten Morgen gibt es ein ausgiebiges Frühstück mit Rührei, um die erschöpften Energiereserven wieder aufzufüllen. Schließlich steht uns wieder ein anstrengender sechsstündiger Aufstieg auf 4150m bevor. Unterwegs entdecken wir einige Minen, in denen einige wenige Männer mit einfachen Mitteln Silber zu Tage fördern. Bei Erreichen des Gipfels werden unsere mittlerweile ziemlich geschundenen Körper mit einer herrlichen Aussicht auf das mächtige Gebirge um uns herum und ein paar Nudeln belohnt. Der darauffolgende Abstieg nach Yanama vergeht schnell. Im Zielort finden wir für die Nacht eine sehr einfache Übernachtungsmöglichkeit in einer auf dem Land üblichen Lehmhütte. 
Am nächsten Morgen geht es um 4 Uhr mit einer unverschämt teuren Mitfahrgelegenheit nach Lucmabamba, da wir leider nicht die Zeit haben die vier oder fünf Tage bis dorthin zu laufen. Schließlich müssen wir am 12. August zum Machu Picchu. Durch den Regen geht es zum Tagesziel Llactapata, dass wir zur Mittagszeit erreichen. Das gibt uns die Gelegenheit nach fünf Tagen Tütensuppen und Instantnudeln auf gegrillte Forelle umzusteigen. Vom Campingplatz aus, der von einigen Touren bevölkert wird, kann man direkt auf Machu Picchu blicken.
Am nächsten Tag steigen wir nach Hidroeléctrica ab, von wo wir den Bahngleisen Richtung Aguas Calientes folgen. Den Campingplatz bezahlen wir vom letzten Geld im Portemonnaie.
Den 11. August, der ursprünglich als Reservetag für die Wanderung eingeplant war, steht uns nun zur freien Verfügung, so dass wir genug Zeit haben Aguas Calientes besuchen. Wir besuchen die namensgebenden Thermen, die im Nachhinein nicht wirklich der Rede wert sind, schlendern über die Souvenirmärkte und kaufen Lebensmittel für den nächsten Tag ein. Anschließend gehen wir noch ins Museum am Fuß des Machu Picchu. Das Museum ist klein jedoch durchaus sehenswert. Zudem ist es eine gute Vorbereitung für anstehende Besichtigung.
Der 12. August ist also unser Machu Picchu-Tag. Wir wachen auf, greifen uns den vorbereiteten Rucksack und stehen schon um halb 4 an der Brücke, von der aus wir um 5 Uhr den Berg erklimmen sollen. Eine weise Entscheidung, denn so gehören wir zu den ersten 100 Besuchern, die um 6 Uhr Zugang zur Stätte erhalten. Die befürchtete Taschenkontrolle bleibt aus, so dass wir doch Lebensmittel und Wasser mitnehmen können. Wir entscheiden uns nicht wie alle anderen den Pfeilen zu folgen, sondern unseren eigenen Weg zu suchen. So erkunden wir drei Viertel der Stadt ähnlich ungestört wie Choquequirao, nur mit dem Unterschied, dass Machu Picchu deutlich aufwendiger vom Dschungel freigelegt und restauriert wurde, so dass man ein noch besseres Bild vom damaligen Leben erhält. Später als wir auf den Menschenstrom stoßen, müssen wir unsere Route anpassen. Leider sind Kais Knie immer noch etwas überlastet, so dass ich den Aufstieg auf den Montaña Machu Picchu allein unternehmen muss. Von oben bietet sich eine schöne Übersicht über die Stätte. Nach der insgesamt achtstündigen Besichtigung der Stätte, die zwar touristisch, jedoch längst nicht so überfüllt war wie befürchtet, lassen wir den tollen Tag bei Pizza, Cocktails und Jenga in Aquas Calientes ausklingen.

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